Das Amerikanische Schulsystem

Das Schulsystem in den Vereinigten Staaten ist aufgrund der föderalistischen Staatsform eine Angelegenheit der Bundesstaaten, sodass es eine große Vielfalt von Regelungen gibt. Grundlegende Entscheidungen werden lokal auf der Ebene der Schulbezirke gefällt, sodass selbst innerhalb der einzelnen Bundesstaaten zum Beispiel die Schulstufen von Ort zu Ort unterschiedlich gegliedert sind. Zusätzliche Vielfalt bzw. Komplexität verdankt das amerikanische Schulsystem der Tatsache, dass ein sehr umfangreiches Netz privater Einrichtungen neben den staatlichen Schulen besteht.

Die Schulpflicht

Die Regelung der Schulpflicht (englisch Compulsory School Attendance) ist in den Vereinigten Staaten Sache der einzelnen Bundesstaaten. In dreizehn Staaten reicht die Schulpflicht vom vollendeten sechsten bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahr.[1]

Unter bestimmten Bedingungen kann der Schulbesuch durch Unschooling (vom Kind geleitetes Lernen) oder Homeschooling (Hausunterricht) ersetzt werden.

Good to Know

-> Egal wie begabt ein Kind ist, in Amerika gibt es keine unterschiedlichen Systeme wie Haupt-,Real- oder Gymnasiumschulen.
-> In finanziell gut ausgestatteten Schulbezirken können Hochbegabte an speziellen Programmen teilnehmen. (educational enrichment)
-> Schulbezirke mit entsprechenden Budget bieten Kinder, wenn nötig Leseförderung, Sprachtherapie und englische Sprachförderung an.
(English for Speakers of Other Languages, kurz ESOL).
-> Von der Grundschule an werden die Klassenverbände jedes Jahr vollständig aufgelöst und neu zusammengesetzt. Auch die Klassenlehrer
sind auf einzelne Jahrgangsstufen spezialisiert und wechseln meist jedes Jahr.
-> In der Grundschulzeit wird dieses Schema genutzt um Gruppenstrukturen mit günstigen Lernklima zu schaffen und eine Cliquenbildung zu
Verhindern.
-> In der Middlescool geht es darum homogene Gruppen aus gleich begabten Kindern zu erstellen.

-> In den höheren Klassen ab der Juniorhighschool, gibt es keine Klassenverbände mehr, hier belegen die Kinder Kurse nach Wahl. Diese sind in wenigen fällen sogar Klassenstufen übergreifend.

-> An die Stelle von Klassenlehrern treten an den Junior Highschools und Highschools Ansprechlehrer.

-> Amerikanische Schulen sind – von der Grundschule an – Ganztagsschulen, an denen der Unterricht aller Schüler morgens zum selben Zeitpunkt beginnt und nachmittags auch zum selben Zeitpunkt endet. Darum betreiben alle Schulen auch Kantinen, in denen die Schüler zu Mittag essen.


Die Zensuren

Die Zensuren in den Vereinigten Staaten (wie auch in anderen englischsprachigen Ländern) sind keine Zahlen, sondern Buchstaben.

A = >90 % (sehr gut)
B = >80 % (gut)
C = >70 % (befriedigend)
D = >60 % (bestanden)
F = <60 % (nicht bestanden)

F bedeutet normalerweise ‚durchgefallen‘. Die Zensuren selbst können mit einem Plus (+) bzw. mit einem Minus (−) weiter differenziert werden. Die Schulnote „E“ wird nicht vergeben.


Die Schularten

-> Staatliche Schulen sind die meist besuchten Schulen in den USA. Diese werden aus Steuergeldern bezahlt, damit die Eltern kein
Schulgeld bezahlen müssen.
-> Ungefähr 10% der amerikanischen Teenager besuchen Privatschulen. Für diese muss ein Schulgeld bezahlt werden.
-> Außerdem gibt es die Option des Homeschoolings. Dafür entscheiden sich etwa 1–2 % der Eltern in den USA. Gründe dafür sind z. B. religiöse Ansichten, besondere Bedürfnisse der Kinder (z. B. mit Behinderung), Probleme in herkömmlichen Schulen (Mobbing, Drogen usw.) oder ein zu langer Schulweg. Es gibt viele Stimmen gegen Homeschooling; diese äußern, dass die Schüler keine sozialen Kompetenzen entwickeln, dass die Lehrer (oft die Eltern) keine hinreichende Ausbildung haben und dass (vor allem bei religiösen Gründen) Extremismus gefördert werden könnte.

Schuluniform

-> Schuluniformen sind an US-Schulen unüblich. Viele Schulen haben eine Kleiderordnung (dress code), die vorschreibt, welche Art Kleidung in der Schule getragen werden darf und welche nicht. Einige Schulen (vor allem Privatschulen) haben Schuluniformen. Dies soll z. B. die Disziplin an der jeweiligen Schule verbessern und/oder verhindern, dass es zu Neid/ Mobbing oder Konkurrenzkämpfen wegen Markenkleidung kommt.


Öffentliche und Privateschulen

Während die staatlichen Schulen in den Vereinigten Staaten stets weltlich, also nicht-konfessionell sind, wird bei den Privatschulen in weltliche und konfessionelle Schulen unterschieden. Der Begriff „konfessionell“ (parochial) wird hierbei erheblich weiter gefasst als vor dem Hintergrund der Konfessionenlandschaft in Deutschland. Alle drei Gruppen – staatliche Schulen, weltliche Privatschulen und konfessionelle Privatschulen – sind in allen Bereichen des Schulsystems von der Elementary School bis zur Universität vertreten.

Während Privatschulen stets ein Schulgeld (tuition) erheben, ist der Besuch öffentlicher Schulen grundsätzlich kostenlos. Gebühren fallen lediglich an, wenn ein Kind eine öffentliche Schule in einem Schulbezirk besucht, der nicht der Schulbezirk der Wohnadresse ist.

Schulstufen

->Die Kinder werden gewöhnlich mit fünf Jahren (siehe Graphik oben) in den sogenannten Kindergarten eingeschult, welches in Deutschland ungefähr der ersten Klasse entspricht. Davor haben die Kinder oftmals bereits ein privates oder öffentliches Betreuungsprogramm besucht (Day Care, Nursery School, Pre-school), welches in Deutschland dem eigentlichen Kindergarten entspricht. Es kommt daher regelmäßig zu Verwechslungen zwischen dem deutschen Kindergarten bzw. der Vorschule (in den USA „Pre-School“ genannt) und dem amerikanischen „Kindergarten“ (in Deutschland: erste Klasse der Grundschule).

Elementary School

-> Die Elementary Schools, die auch als Grade Schools bezeichnet werden, umfassen die Klassenstufen vom Kindergarten bis zur vierten, fünften oder sechsten Klasse (je nach Schulbezirk). In Schulbezirken, in denen keine Middle Schools und Junior High Schools vorhanden sind, reichen sie auch bis zur achten Klasse.

Die Klassengröße beträgt etwa 18–24 Kinder. Anders als an britischen Schulen, wo die Schüler pupils genannt werden, ist in den Vereinigten Staaten bereits von der Kindergartenstufe an die Bezeichnung students üblich. Das Lehrpersonal an amerikanischen Grundschulen ist, wie in vielen anderen Ländern, mehrheitlich weiblich. Der Klassenlehrer, der über jeden Schüler eine individuelle Akte führt, wird – besonders in finanziell gut ausgestatteten Schulbezirken – oft von einem Assistenten (Teacher Assistant) unterstützt. In integrativen Klassen, in denen auch behinderte Kinder unterrichtet werden, können sogar noch mehr Fachkräfte und Assistenten eingesetzt werden. Daneben werden in allen Klassenstufen Fachlehrkräfte für Sport, Kunst- und Musikerziehung – in den höheren Klassenstufen manchmal auch für Naturwissenschaften – eingesetzt. Diese Fachlehrer verfügen meist über eigene Unterrichtsräume.

Der Schultag der Grundschüler hat unabhängig vom Alter der Kinder etwa sechs Stunden und schließt ein kostenpflichtiges Mittagessen in der Schulkantine ein. Der Schultag, der mit dem feierlichen Treuegelöbnis beginnt, ist straff organisiert und wird nur durch eine Pause am Mittag unterbrochen, die von den Kindern – außer an kalten oder regnerischen Tagen – auf dem Schulspielplatz verbracht wird; in manchen Schuldistrikten sind auch zwei Pausen üblich. In der Kindergartenstufe und an vielen Schulen auch in der ersten Klasse wird der Unterricht jedoch auch durch freie Spielzeiten im Unterrichtsraum („Centers“) unterbrochen. Etwa von der dritten Klasse an erhalten die Schüler an vielen Schulen auch Zeit zum freien Arbeiten (Study Hall), in der Hausaufgaben erledigt oder Bücher aus der Schulbibliothek gelesen werden können. Obwohl der Schultag kaum vor 15 Uhr endet, werden bereits von der ersten oder zweiten Klasse an jeden Tag Hausaufgaben erteilt.

Die Lehrziele amerikanischer Grundschulen entsprechen zu einem großen Teil denen deutscher, österreichischer und schweizerischer Schulen. Die Alphabetisierung der Kinder beginnt bereits in der Kindergartenstufe, also im Alter von 5 Jahren. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Leseförderung. Die Klassenräume verfügen meist über eigene Büchersammlungen, und darüber hinaus besuchen die Klassen regelmäßig die Schulbibliothek, in der die Kinder von einer Fachlehrkraft betreut werden. Fremdsprachen werden – außer in Metropolen – an Grundschulen in der Regel nicht unterrichtet, dafür wird jedoch bereits früh Instrumentalunterricht angeboten



Junior High School and Middle School

-> Das traditionelle Bindeglied zwischen Elementary School und High School ist die Junior High School, eine Schule, deren Fachabteilungen – wie an der High School – mehr oder weniger unabhängig voneinander arbeiten. Die Entwicklung dieses Konzepts wird Charles William Eliot, der 1869–1909 Präsident der Harvard University war, zugeschrieben. In zunehmendem Umfang treten an die Stelle der Junior High Schools heute Middle Schools. Der Hauptunterschied zur Junior High School besteht darin, dass die Fachlehrer der Middle School eng zusammenarbeiten und sogar interdisziplinäre Einheiten bilden. Junior High Schools und Middle Schools umfassen meist die Klassen 7 bis 9 (6th bis 8th grade), gelegentlich darüber hinaus auch die Klassen 6 (5th grade) oder 10 (9th grade).

(Senior) High School

-> Die High School – als Abgrenzung zur Junior High School (s. o.) oftmals auch als Senior High School (oder kurz: Senior High) bezeichnet – ist eine mit der deutschen Gesamtschule vergleichbare Einheitsschule des sekundären Bildungsbereichs (Sekundarstufe). Sie deckt in der Regel die Jahrgangsstufen 9 bis 12 ab und wird mit dem High School Diploma abgeschlossen. In der High School wird ausschließlich im Kurssystem unterrichtet, nicht im Klassenverband.

Besonderheiten die alle Schulstufen betreffen

-> Schulbus

Die Mehrzahl der Kinder benutzt den Schulbus. Das 1970 eingeführte Crosstown School Bussing, bei dem Kinder mit dem Schulbus in andere Stadtteile gebracht wurden, um eine Isolierung afro-amerikanischer Kinder in rein afro-amerikanischen Schulen zu vermeiden, wurde nach und nach wieder abgeschafft und durch andere Maßnahmen ersetzt. Die Wahl der Schule ist heute frei, auch innerhalb des staatlichen Schulsystems.

-> Hochbegabtenförderung

In Schulbezirken, die über hohe Steuereinnahmen verfügen, bestehen oftmals spezielle Hochbegabtenförderungsprogramme (Educational Enrichment). Am Ende des ersten Schuljahres werden Kinder, die dafür in Frage kommen, auf Empfehlung des Klassenlehrers und Wunsch der Eltern einem Schulpsychologen vorgestellt, der mit dem Kind einen Intelligenztest durchführt. Kinder, die sich für das Programm qualifiziert haben, werden stundenweise aus dem Klassenverband herausgenommen und erhalten in Kleingruppen bei einem Fachlehrer Projektunterricht. Darüber hinaus können sie auch innerhalb des normalen Unterrichts im Klassenverband Sonderübungen erhalten, die ihrer Begabung entsprechen; dies betrifft besonders den Mathematik- und Englischunterricht. Von der Middle School an werden hochbegabte Kinder in so genannten Honor-Kursen gefördert, die speziell für Schüler mit weit überdurchschnittlichen Noten eingerichtet sind. An der High School können Honors-Schüler sogar bereits Punkte sammeln, die es ihnen später am College ermöglichen, bestimmte Grundlagenkurse zu überspringen. An vielen High Schools können begabte Schüler statt eines gewöhnlichen High School Diploma auch das anspruchsvollere International Baccalaureate erwerben.

-> Schülerwettbewerbe und über-curriculare Talentförderung

Charakteristisch für das Bildungswesen der Vereinigten Staaten ist eine ausgeprägte, über den eigentlichen Unterricht hinausgehende Breitenförderung sowohl naturwissenschaftlicher als auch künstlerischer Begabungen. Von der Kindergartenstufe an können Schüler an Science Fairs, Kunstwettbewerben und ähnlichem teilnehmen. Viele Schulen – von der Grundschule an – besitzen eigene Chöre, Instrumentalensembles und Orchester.

-> Versetzung

Versetzung (Graduation) von einer Klassenstufe (bzw. Schulstufe) zur nächsten erfolgt, wenn das Programm erfolgreich absolviert wurde, an den meisten amerikanischen Schulen ohne weitere Prüfung. Der No Child Left Behind Act sieht für öffentliche Schulen allerdings regelmäßige Tests des Lernerfolgs vor. Schüler, die das Schuljahr nicht erfolgreich absolvieren konnten, erhalten in der Sommerzeit spezielle Nachschulungskurse (summer school). Alle Schüler müssen eine Hochschulaufnahmeprüfung bestehen, wenn sie eine Universität besuchen wollen, und in vielen Fällen werden zusätzlich zur Hochschulaufnahmeprüfung einige Advanced-Placement-Prüfungen (vergleichbar mit dem und in vielen Fällen gleichwertig zum Abitur) belegt. Die Vorbereitungen auf solche Advanced-Placement-Tests sind Leistungskurse (AP courses genannt), die dem deutschen Leistungskurs entsprechen und ihn in manchen Fällen überschreiten.

-> Eltern-Lehrer-Organisationen

An allen Schulen bestehen Parent Teacher Organizations oder Parent Teacher Associations (Eltern-Lehrer-Organisationen, -Vereine), in denen Lehrer und Erziehungsberechtigte ihre Interessen koordinieren. Die PTO bzw. PTA, die im weitesten Sinne einem deutschen Elternverein entspricht, arbeitet eng mit der Schulleitung zusammen und organisiert u. a. Fundraisers zur Finanzierung zusätzlicher Unterrichtsmittel.





Quelle Wikipedia.







 
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