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Der Februar verspricht uns einen verfrühten Frühlingsanfang, die Sonne lässt sich öfter blicken, auch wenn der Regen immer noch dominiert. Die Durchschnittstemparaturen liegen bis etwa zur Hälfte des Monats tagsüber bei 10° bis 15°C, während sich die Werte in der Nacht bei etwa 1°C einpendeln. Danach fallen die Temperaturen plötzlich tagsüber auf 4° bis 9°C. Die Nächte rutschen in den Minusgradbereich um die -1° bis -6°Cund bescheren uns immerhin morgens hin und wieder Schneeschauer. Jedoch bleibt der Schnee nicht liegen. Ihr merkt schon, das geeignete Wetter, um seine Migräne und Wetterfühligkeit zu pflegen.

Anfang März ist es noch kühler, die Durchschnittstemperaturen liegen tagsüber bei 8° bis 14°C, danach steigen die Temperaturen stetig und pendeln sich durchschnittlich bei 14° bis 17°C ein. Die Nächte liegen durchschnittlich bei 1° bis 4°C. Natürlich regnet es auch in diesem Monat noch häufig, doch explosionsartig beginnt das Grün zu sprießen und die Blüte bei verschiedenen Büschen, Sträuchern und Blumen setzt ein. Die geeignete Zeit, um dem Botanischen Garten oder anderen Parks einen Besuch abzustatten.

Und ach ja, richtig Mr. President, es gibt natürlich keinen Klimawandel!

Februar/März 2018

Highlight dieser Monate:

14.02.18 - Valentinstag

01.3.18 - Frühlingsanfang

02.3.18 - 11.03.18 traditioneller Jahrmarkt

17.3.18 - St.Patricks Day



Die nächste Zeitumstellung findet voraussichtlich Anfang September statt.

Herzlich Willkommen in Portland!♡

Wir sind ein FSK18 Forum mit Szenentrennung. Bitte gebt Euren Szenen Titel mit folgendem Aufbau:

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#1

Down the Rabbit Hole || Spätsommer 2007, nach 22 Uhr || Jacob und Henrietta

in Past 01.03.2018 18:03
von Henrietta Carlisle | 43 Beiträge

Kalifornien, Stanford University
Verbindungshaus Sigma Chi
Spätsommer 2007 • 22:43 Uhr
25° Grad • schwül 





Mit einem leisen Seufzen ließ Henrietta den leeren Pappbecher auf einem der hohen Tische stehen, der in einer Ecke des schummrig beleuchteten Raums stand. Wo um alles in der Welt war sie hier gelandet? Sie war sich ziemlich sicher gewesen, dass eine Verbindungsparty nicht das Richtige für sie war, aber den Samstagabend alleine in ihrem Zimmer zu verbringen war auch nicht wirklich eine verlockende Option gewesen. Und ihre Mitbewohnerin hatte ihr versichert, dass die Partys von Sigma Chi nicht nur die Besten wären, sondern dass es dort auch die süßesten Jungs gäbe (beides stand Henriettas Meinung nach noch zur Debatte). Entsprechend schnell war sie dann auch mit einem der Typen verschwunden und hatte Henrietta alleine zurück gelassen, kaum dass sie angekommen waren. Das war an und für sich kein Problem, Henrietta war weder schüchtern, noch auf den Mund gefallen. Aber mit dieser… Festivität wurde sie bisher nicht warm. Und die Musik war furchtbar. Auch wenn sie zugeben musste, dass die große Auswahl an alkoholischen Getränken wirklich beeindruckend war, um das Alkoholersterwerbsalter (grandioses Wort) machte sich hier eindeutig niemand Sorgen.

Sie schob sich durch das Gedränge von engumschlungenen Pärchen, torkelnden Jungs und kichernden Mädchen hinüber zur Musikanlage. Sie trug nur Jeans, braune Stiefeletten und ein schlichtes, dunkelblaues Trägershirt und wenn sie etwas empfänglicher für derlei Dinge gewesen wäre, hätte sie sich im Vergleich zu den anderen Mädchen underdressed gefühlt. Auf dem Weg wehrte sie die Avancen eines jungen Manns ab, der seiner Artikulation nach eindeutig schon zu viel getrunken hatte (und bei der göttlichen Verteilung von charmanten Anmachsprüchen auch nicht laut „Hier!“ gebrüllt hatte). Sie rollte mit den Augen und unterdrückte ein Lachen, während sie sich unter seinen Armen hindurch duckte. An ihrem Ziel angelangt begann Henrietta, die umfangreiche CD-Auswahl in dem Regal zu durchforsten, das neben der offensichtlich kostspieligen Anlage stand. Als sie in den oberen Fächern nicht fand, was sie sich vorstellte, ging sie in die Hocke. Mit der Hand fuhr sie sich in das Haar, um sich die langen, welligen Strähnen aus dem Gesicht zu halten und ihre Lippen verzogen sich zu einem kleinen, triumphierendes Lächeln, als sie etwas fand, das ihr gefiel. Sie richtete sich wieder auf und blickte direkt in die Augen eines Jungen, der sie eindringlich ansah. „Was, ist eure Musik anzufassen ein Sakrileg, oder schaust du immer so?“, erkundigte sie sich, die CD in der Hand.


Wenn es nach Jacob gegangen wäre, hätte er nicht wirklich einer Verbindung beitreten müssen, ihn ätzte diese ganze 'Fuchs-Sache'  wirklich an, irgendwelche dummen Dinge tun und sagen, sich von Leuten auf der Nase rumtrampeln lassen, die grad mal ein, zwei oder drei Jahre älter als er waren, lag ihm eigentlich so gar nicht. Vor Allem ließ er sich nur ungern, den Mund verbieten und wer ihn kannte, wußte das auch und hätte ihn vermutlich im Moment auch nicht wiedererkannt. Doch er hatte mal wieder keine wirkliche Wahl gehabt, denn Sigma Chi spielte in der Familiengeschichte eine herausragende Rolle, selbst sein Urgroßvater war schon Verbindungsmitglied gewesen. 'In hoc Signo Vinces'  - wenn er diesen Spruch an diesem Abend noch ein paar Mal hörte, würde er vermutlich Amok laufen. Aber er wäre nicht Jacob, wenn er nicht eine Hintertür gefunden hätte, um sich ein paar Annehmlichkeiten zu sichern und die 'Fuchs-Phase'  so schnell als möglich hinter sich zu bringen, wobei es eh außer Frage stand, dass er die Aufnahmerituale nicht bestehen würde, schließlich besaß er so Etwas wie ein Erbrecht in der Verbindung. Die Parties von Sigma Chi wurden schon vor seiner Ankunft als die besten auf dem Campus gehandelt, aber wenn Jemand was von Parties verstand, dann Jacob und immerhin saß er sozusagen an der Quelle. Auch, wenn er noch minderjährig war, wußte er, wie er an den besten Stoff herankam, ein Anruf genügte und er mußte sich auch nicht mit dem billigen Zeugs zufrieden geben, von dem Alle einfach nur schnell abstürzten und vermutlich die halbe Inneneinrichtung des Verbindungshauses 'vollreihern'  würden.

Jacob sollte Letzteres egal sein, klar würden die Füchse das dann am Ende wohl aufräumen müssen, aber er war sich sicher, dass er nach dieser Party von der Aufgabe befreit sein würde. Er selbst war Alkohol zwar nicht abgeneigt, aber er betrank sich eigentlich niemals sinnlos, vermutlich lag das daran, dass er den Umgang mit Alkohol schon viel früher gelernt hatte als üblich, schließlich bestand das Familiengeschäft daraus. Als er sein Teenagerdasein begonnen hatte, hatte sein Vater ihn beiseite genommen, mit ihm über Alkohol und seine Gefahren geredet und ihn schließlich bis zum Kotzen trinken lassen, so dass er den übelsten Kater aller Zeiten gehabt hatte. Danach hatte Jacob nie wieder soviel getrunken, dass er nicht mehr wußte, was er tat, sagte oder geschweige denn, sich nicht daran hätte erinnern können. Sicherlich nicht unbedingt eine Handlungsweise, die in einem pädagogischen Ratgeber für Eltern stehen würde, außerdem dezent illegal, aber bei ihm hatte es funktioniert.

Was ihn stattdessen ziemlich nervte, war die beschissene Musikauswahl, die seine Verbindungsbrüder hier gesammelt hatten, klar für betrunkene Studenten mochte es ausreichen, er persönlich bevorzugte jedoch 'echte'  Musik und nicht diese 'Bum-Bum-Scheiße' , die hier aus der Konserve lief. Hätte er die ganze Party planen dürfen, hätte er für richtige Musik und vermutlich sogar einen Live-Act gesorgt, aber er war ja noch nur ein Fuchs. Während sich schon viele Pärchen gefunden hatten, die Morgen vermutlich mit einem schalen Geschmack im Mund aufwachen würden und sich später nicht mehr daran erinnern konnten, wie sie ausgerechnet mit so Einem oder so Einer in der Kiste hatten landen können, hatte sich Jacob schnell gelangweilt. Konservationen, die nur aus "Tolle Party!" ... "Du bist sexy!"  und "Wollen wir auf ein Zimmer?"  (es gab natürlich auch die direktere Variante "Ficken?" ) bestanden, waren irgendwie nicht sein Fall. Zwar würde er lügen, wenn er sich nicht auch schon solche Sexpartnerinnen geschnappt hätte, aber danach hatte er sofort jegliches Interesse an ihnen verloren.

Als zwängte sich Jacob schließlich zwischen tanzenden, knutschenden und saufenden Pärchen durch in Richtung der Musikanlage, wo er schließlich stehenblieb und auf einen Rotschopf hinabblickte, der sich durch die CD-Auswahl wühlte. Im Gegensatz zu den meisten Mädchen hier, wirkte sie nicht im Mindesten so angetrunken und im Gegensatz zu den anderen weiblichen Gästen kleidungstechnisch doch etwas underdressed. Aber genau das war es, weswegen Jacob sie betrachtete, denn wie die typische, graue, schüchterne Maus sah sie deshalb trotzdem nicht aus. Als sie sich aufrichtete, war sie ihm plötzlich näher, als er es geplant hatte, nicht dass es ihm unangenehm war, aber die meisten Mädchen würde das wohl erstmal abschrecken und zurückweichen lassen, doch sie tat das nicht. Stattdessen erwiderte sie seinen eindringlichen Blick und hatte eine gelassene, schlagfertige Frage auf den Lippen. Deswegen zuckte es auch kurz in seinen Mundwinkeln, da ihre Worte ihm ein Schmunzeln abringen wollten, bevor er trocken antwortete: "Dreiviertel davon als Musik zu betiteln, ist eigentlich ein Sakrileg!" Er bemühte sich, einen Blick auf die CD zu werfen, die sie rausgefischt hatte, allerdings wollte er den Blick eigentlich gar nicht aus ihren blauen (zu diesem Zeitpunkt wußte er ja noch nicht, dass er über Jahre immer wieder hören würde, dass sie blaugrüngrau waren ) Augen lösen.



Eigentlich war Henrietta schon immer gerne mittendrin im Geschehen gewesen (bei der Größe ihres Heimatkaffs war es allerdings auch kein Kunststück gewesen, das zu bewerkstelligen). Und natürlich gehörten die Studentenpartys entsprechend zu den Dingen, auf die sie sich am meisten gefreut hatte, wann immer es ums College gegangen war. Jetzt fand ihre erste richtige Party (also nicht nur ein improvisiertes Stelldichein im Aufenthaltsraum mit hereingeschmuggeltem Wodka und Orangensaft) direkt in einem protzigem Verbindungshaus statt, so dass sie tatsächlich das erste Mal in ihrem Leben ein wenig das Gefühl hatte, fehl am Platz zu sein. Aber davon, schwor sie sich, würde sie sich nicht beirren lassen. Die Verbindungsjungs mochten quasi nach Geld riechen, und bei vielen schien neben der eigentlichen Person auch das Ego noch einmal so viel Raum zu beanspruchen. Und teilweise sahen sie aus, wie Henrietta sich deren Väter vorstellte (trotz Bier in Pappbechern), jüngere Kopien von steifen Bankern und Politikern, die den heimischen Hafen nutzten, um bedenkenlos über die Stränge zu schlagen. Aber vermutlich musste man die Feste feiern, wie sie fielen.

Henrietta neigte ganz leicht den Kopf zur Seite und musterte ihr Gegenüber kurz. Sie hatte ihr Urteil ziemlich schnell gefällt: Blond, wohlhabend, völlig von sicher selber überzeugt. Dem Alter nach wohl einer dieser Füchse, die hier überall herumtorkelten. Und eindeutig noch verhältnismäßig nüchtern. Bei seinen Worten warf sie ihren Kopf in den Nacken und lachte hell auf. „Süß. Ein einsamer Aufrechter zwischen all den Frevlern. Hm, na dann mal sehen, ob sich da etwas machen lässt.“ Sie wandte sich von ihm ab und der Anlage zu. Mit schnellen Griffen hatte sie erst die CD-Hülle geöffnet, dann die CDs im Player ausgetauscht. Es war eine gute Anlage (natürlich war es das, In Hoc Signo Vinces ), die schnell reagierte, so dass die feuchtfröhliche Stimmung der feiernden Kommilitonen nicht einmal wesentlich unterbrochen wurde.

Henrietta warf nur einen kurzen Blick auf den Titel der CD, die bisher gelaufen war und gab einen leisen, aber etwas abschätzigen Pffft-Ton von sich. Achtlos ließ sie die CD auf die Anlage plumpsen und dort liegen. Als die ersten Töne des Songs erklangen, den sie ausgewählt hatte, drehte sie sich wieder zu dem Studenten um, der sie angesprochen hatte. Sie schob sich dicht an ihm vorbei, so dicht, dass sie einander berührten. Im Vorbeigehen drückte sie ihm die jetzt leere CD-Hülle gegen die Brust, so dass ihm gar nichts anderes übrig blieb, als danach zu greifen. „Hier, vielleicht ist dein Seelenheil ja noch nicht völlig verloren“, flüsterte sie im selben Moment, als das Schlagzeug einsetzte. Sie lächelte ihn strahlend an, dann schlängelte sie sich durch die Menge der anderen Studierenden auf die Mitte der Tanzfläche.






Jacob war es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen und den Ton anzugeben, es war nicht so, dass er sich je darum gerissen hätte, es entsprach einfach seiner Persönlichkeit. Er war ein Macher, kein Mitläufer, weshalb ihm diese Fuchsphase auch so schwerfiel und ihn fast um den Verstand brachte. Die ersten fünf Tage waren die schlimmsten gewesen und er hätte am Liebsten das Handtuch geworfen oder den meisten dieser bescheuerten Verbindungsbrüder was auf die Schnauze gegeben. Klar gab es auch Ausnahmen, aber gerade die, die letztes Jahr an seiner Stelle gewesen waren, führten sich wie die größten Idioten auf. Und das sollten die Führungskräfte der Zukunft werden, eine Tatsache, die ihm Albträume bescheren würde, wäre er nicht ... nun ja, ER. Das Duckmäuserische lag ihm einfach nicht und so war er bereits ganz am Anfang mit Einigen aneinandergeraten, was diese natürlich nur dazu gebracht hatte, ihre Vormachtsstellung noch weiter auszunutzen. Und trotzdem tat er sich das an, biss sich vermehrt auf die Zunge, obwohl es so gänzlich gegen seine Natur ging. Das große Aber war sein Vater und sein Großvater, die Familientradition wurde einfach groß geschrieben in der Familie Yates und auch, wenn dies Jacob an sich nicht wirklich so wichtig war, war ihm jedoch die Meinung seines Vaters und Großvaters wichtig. Nicht nur, weil er fürchtete, die finanzielle Unterstützung zu verlieren, was ihn eigentlich dazu veranlasst hatte, nach Stanford zu gehen und Fächer zu belegen, die ihn eigentlich Null interessierten; hierbei ging es mehr um die persönliche Beziehung, die er zu Beiden pflegte. Denn auch, wenn der junge Studienanfänger nicht so wirkte, war ihm die Meinung seiner engsten, männlichen Bezugspersonen der Familie sehr wichtig.

Aber selbst hier, als Fuchs, hatte er diese gewisse Ausstrahlung, dass ihm die wirklich wichtigen Verbindungsbrüder jetzt schon zugetan waren, so dass sich diese gewissen Typen mittlerweile zurückhielten. Natürlich hatte Jacob dies mit einer gewissen Genugtuung registriert, aber zu deren Glück, gehörte er nicht zu den nachtragenden Typen. Und mit der (zumindest teilweisen)  Organisation der Party, hatte er sich jetzt schon einen weiteren Aufstieg in der HIerarchie gesichert. So lief das einfach in seinem Leben, obwohl er sich nie aktiv darum bemüht hatte, eine 'Führungsposition'  einzunehmen. Und jetzt hockte er auf dieser Party, wo sich alle mehr oder minder sinnlos betranken; die Stimmung war zwar gut, doch nichts im Vergleich zu dem Spaß, den er immer mit seinen wirklichen Freunden Zuhause gehabt hatte. Aber irgendein Impuls sagte ihm, dass es ab jetzt definitiv besser werden würde, denn das helle Auflachen und das Contra der Rothaarigen entlockte ihm ein Grinsen. Er mochte ihr Lachen sofort, es war, als würde es in seinen Eingeweiden nachvibrieren. Trotzdem war er etwas überrumpelt davon, als sie die CD einfach austauschte und ihm am Ende die leere CD-Hülle an die Brust drückte. Ihre Worte entlockten ihm schließlich ein Auflachen, doch er genoß die Berührung sehr, als sie so dicht an ihm vorbeiging, dass ihre Körper sich berührten. Natürlich folgte sein Blick ihr, als sie sich zwischen den anderen Gästen zur Tanzfläche durchschob, weswegen er die Hülle achtlos auf die Anlage warf. "Solange Du daran beteiligt bist, mein Seelenheil zu retten!", rief er ihr schmunzelnd nach und war sich sicher, dass sie ihn trotz des Trubels hier gehört hatte. Und natürlich folgte er ihr, während er achtlos ein Mädchen von sich schob, wobei ihr jedoch ein kurzes, nichtssagendes Lächeln schenkte: "Nett gemeint, aber nicht erwünscht!", und sie dabei dem nächstbesten Fuchs in die Arme drückte. Die Kleine war so angeschwippst, dass sie sich nicht einmal daran störte und ihre Zuneigungsbekundungen einfach dem Nächstbesten schenkte.

Natürlich kannte er das Lied und es war eine hundertprozentige Verbesserung zu dem Dance-Mix, der vorher gelaufen war und dem er persönlich Nichts abgewinnen konnte. Sein Blick blieb weiterhin auf ihr haften und ein Lächeln umspielte seine Lippen, als er weiter zu ihr vorstieß, während die Tanzfläche sich nur dezent leerte, da der Song nicht wirklich dazu einlud, den Grabbelblues weiterzutanzen. Sie tanzte genau so, wie er es sich vorgestellt hatte, die Hände hoben sich über ihren Kopf, sie schloß die Augen, ließ sich von der Musik treiben und drehte sich um die eigene Achse. Er legte den Kopf leicht schief und konnte nicht anders, als zu schmunzeln, dann trat er näher an sie heran, passte den geeigneten Moment ab, um sich hinter sie zu begeben und ihre Bewegungen zu imitieren, ohne sie zu berühren, doch so eng, dass sie sicherlich spürte, dass er da war.



Auch Henrietta stand oft (und gerne) im Mittelpunkt. Viele Menschen fühlten sich angezogen von ihrer lebhaften Art und ihrem strahlendem Lächeln. Andere mochten ihre Gesellschaft, so dass die erste Zeit hier an der Uni für Henrietta vor allem ein großes Experiment war. Sie hatte keine feste Clique, weil sie im Grunde mit jedem zurechtkam und eigentlich überall willkommen war. Sie war unorthodox, probierte gerne Dinge aus, ganz ohne Angst vor Fehlern oder Zurückweisung. Diese Leichtigkeit war ihrer Familie eigen, ebenso wie ein kleiner Hauch Verrücktheit. Ihre eine Großmutter wurde nicht müde, zu betonen, dass Henriettas Mutter Delilah während des Woodstock-Festivals gezeugt worden sei, angeblich während des Auftritts von Jefferson Airplane (ihre Großmutter erzählte davon stets mit eisernem Nachdruck, als ließen sich so sämtliche Zusammenhänge erklären, einschließlich der bemannten Raumfahrt). Ihre andere Großmutter hatte sich dagegen von ihrem Mann getrennt, weil er ihr Diaphragma mit einer Nadel durchstochen hatte, um seine Frau durch Schwangerschaft zur Hausfrau zu bekehren. Schwanger war sie zwar geworden, aber zuhause gehalten hatte sie das nicht. Stattdessen hatte sie ihren Sohn alleine groß gezogen.

Auch wenn es nicht notwendig  war, hoffte Henrietta insgeheim, dass ihr dieser junge Mann folgen würde. Vielleicht würde diese Party dann doch noch wirklich  Spaß machen. Seine Stimme jedenfalls war bestimmt und trug über den Lärm der Party, ohne dass er übertrieben geschrien hätte. Er klang wie jemand, der es gewohnt war, dass man ihm zuhörte (und diese Tatsache nicht nur forderte, sondern auch als selbstverständlich erachtete). Oh, sie würde sich nach Kräften um sein Seelenheil bemühen, darauf konnte er sich verlassen. Sie lächelte, aber zuerst… zuerst wollte sie tanzen. Sie schloss die Augen, gab sich der Musik hin und bewegte sich wie von selbst, ohne ihre Schritte und Hände bewusst zu lenken. Ob sie dabei albern aussah, war ihr egal, es kümmerte sie nicht, ob andere sie beobachteten oder gar über sie lachten. Der kurze Anflug von Unsicherheit, der sie vorher durchzuckt hatte, war vergessen. Sie bewegte sich mit dem intuitiven Schwung eines Menschen, dem die Zeit weder zu eng, noch zu vage war, sondern der sich nur im Jetzt befand.

Sie spürte seine Anwesenheit, als er sich hinter sie schob, obwohl er sie dabei nicht berührte (instinktiv wusste sie sofort, dass er es war). In ihrem Magen flatterte es wohlig, und ohne die Augen zu öffnen, tanzte sie weiter, widerstand aber der Versuchung, sich nach hinten zu lehnen, um den Abstand zwischen ihnen weiter zu verringern. Ganz selbstverständlich fühlte sie, dass sie im Takt tanzten, nicht nur im Takt der Musik, sondern auch wie abgestimmt aufeinander, als würden sie sich bereits kennen (und dabei wusste sie noch nicht einmal seinen Namen, auch wenn dieser keine Rolle spielte). Erst als der Song sich zu Ende neigte, drehte sie sich in seine Richtung, und ließ die erhobenen Arme langsam auf seine Schultern sinken, bis sie die Hände in seinem Nacken verschränken konnte. Er war deutlich größer als sie (sicher mindestens 20 Zentimeter), und sie neigte den Kopf ein wenig nach hinten, um ihm in die Augen schauen zu können (sie waren… gewitterwolkenblaugrau, zumindest bei diesem Licht).

„Also“, sagte sie so leise, dass er der Einzige war, der sie im Raum hören konnte, falls er nicht bereits erste Hörschädigungen durch den Musikgeschmack und Lautstärkepraxis seiner Brüder  davongetragen hatte, „Jetzt bitte deine Arme passend positionieren, und wir können darüber nachdenken, an welches Verbindungsparty-Klischee wir im Folgenden anknüpfen.“ Sie glaubte nicht an Schicksal (na ja, nicht wirklich), aber albernerweise hatte sie das Gefühl, dass sie genau hier sein sollte, und dass das der Beginn von etwas wirklich Gutem war. Puh, dachte sie und lächelte unwillkürlich ihn sich hinein, dabei hatte sie doch noch nicht einmal wirklich viel getrunken (vielleicht war das der Fehler). Sie biss sich auf die Unterlippe, während sie ihn musterte und seine Reaktion abwartete. Aus der Nähe betrachtet sah er noch besser aus, aber nicht weniger wohlhabend. Aber sie war da nicht so und würde es ihm nicht zu seinem Nachteil auslegen. Dafür war sie viel zu neugierig und gespannt darauf, was diese Nacht noch zu bieten haben würde.



In diesem Moment war Jacob natürlich noch nicht bewußt, welche entscheidende Wendung dieser Abend für sein Leben bedeuten würde, aber noch nicht gefestigt in seinen Glaubensansichten, würde er es später als Schicksal beschreiben und bereits jezt bekam er so eine Ahnung davon. Natürlich war es nicht wirklich etwas Bewußtes, aber das Mädchen, dessen Namen er noch nicht einmal wußte, zog ihn an wie ein Magnet; sie hatte irgendwas an sich, das ihm seltsam vertraut war, eine Saite in ihm zum Schwingen brachte, die ihm unbekannt war. Und doch war er sich zu hundert Prozent sicher, dass er ihr noch nie begegnet war. Und deshalb bewegten sich seine Füße nahezu von selbst, ohne die wirklich bewußte Entscheidung, ihr zu folgen. Die Teenagerherzen der beiden älteren Yates-Schwestern würden vermutlich vollkommen romantische Hintergründe dort hinein interpretieren, wenn sie davon erfuhren, Jacob selbst sah das Ganze eher pragmatisch. Sie war der Grund des Mysteriums, das in ihm herrschte und er wollte dies ergründen. Punkt, aus, Ende.

Und ganz gegen seine Natur, berührte er sie während des Tanzens nicht, bei anderen Mädchen wäre er vermutlich mehr in die Offensive gegangen, was ebenso vermutlich sogar erwünscht gewesen wäre. Zumindest hatte er auf die Art und Weise noch nie eine Abfuhr erhalten, vor Allem nicht bei angeschäkerten Mädchen, aber sie war nicht wie die anderen. Das war ihm schon in den ersten Sekunden bewußt geworden, noch bevor sie einen Ton zu ihm gesagt hatte. Sie war etwas Besonderes, das wußte er einfach, ob im positiven oder negativen Sinne, konnte er jedoch noch nicht beurteilen. Vielleich stellte sie sich hinterher als verrückte Stalkerin heraus, aber Jacob war gewillt, dieses Risiko einzugehen. Und so tanzte er mit ihr (und obwohl sie sich nicht berührten und sie die Augen geschlossen hielt, war es definitiv ein Tanz zwischen ihnen, die Verbindung war deutlich zu spüren) , was ihm erstaunlicher Weise so verdammt leicht fiel und er genoß es. Während er ihre Bewegungen imitierte, dabei dicht bei ihr war und trotzdem einen gewissen Abstand hielt, war ihm trotzdem, als könnte er ihren Körper spüren; wie eine elektrische Spannung, die den freien Raum zwischen ihren Körpern erfüllte. Vermutlich konnte man damit mindestens eine Glühbirne speisen, davon war er insgeheim überzeugt.

Dass noch Andere im Raum waren, hatte er vollkommen ausgeblendet; ihre Anwesenheit, ihre Gespräche, das Gefummel, Alles davon war absolut unwichtig. Das Einzige, was zählte, war dieser Augenblick zwischen ihnen, der ihm gleichzeitig viel zu kurz und endlos vorkam. Das Bedauern, das unweigerlich in ihm aufkeimte, als der Song sich dem Ende zuneigte, wurde sofort erstickt, als sie sich schließlich zu ihm umwandte, die erhobenen Arme auf seine Schultern sinken ließ und ihre Hände in seinem Nacken verschränkte. Für einen Moment hielt er unwillkürlich den Atem an, bevor sie ihren Kopf ein wenig in den Nacken legte, um ihm in die Augen blicken zu können, nachdem sie ihre geöffnet hatte. Sie war klein, was Jaob jedoch nicht im Mindesten störte und wieder war es, als wären sie die unterschiedlichen Pole eines Magnets, die sich anzogen, so dass er den Blick in ihre Augen erwiderte. Und in denen könnte er sich verlieren, dessen war er sich schon jetzt bewußt, doch ihre leisen Worte entlockten ihm erst das Anheben einer Augenbraue und dann ein Schmunzeln. Er mochte ihre direkte und gleichermaßen irgendwo doch subtile Art, ihn dazu zu bringen, was sie offensichtlich wollte, denn er kam ihrer Aufforderung nur zu gerne nach und positionierte seine linke Hand an ihrer Hüfte, während die rechte weiter in ihren Rücken wanderte und sich zwischen ihre Schulternblätter legte, ohne sie dabei näher an sich heranzuziehen. Diese Entscheidung, den schmalen Zwischenraum, der zwischen ihnen herrschte (gerade mal ein paar Milimeter, wenn man ehrlich war) , auch noch zu überbrücken, würde er ihr nicht abnehmen.

"Irgendetwas sagt mir, dass Klischees nicht wirklich das sind, was auf Beide von uns zutrifft.", natürlich trafen vermutlich viele Klischees auf ihn zu, wenn man bedachte, aus welcher Familie er stammte und wo er hier war, trotzdem war er mehr Freigeist als man von einem Sigma Chi erwartete. Zumindest sein wahres Alter Ego und mit ihr im Zusammenhang, konnte er an überhaupt kein einziges Klischee denken, dass auf sie Beide zutreffen könnte. Natürlich war ihm bewußt, dass sie mit diesen Worten auf bestimmte Dinge anspielte und gewiss war er diesen Dingen nicht abgeneigt. So überhaupt nicht, da hätte ihn schon ein Affe mit dem Klammerbeutel pudern müssen, aber er wußte auch, dass sie definitiv nicht einfach so in seine "Gesehen-und-schon-wieder-vergessen-Schublade"  fallen würde. "Aber natürlich wäre es ein nettes Experiment, herauszufinden, ob ich bei manchen Klischees einfach falsch liege!", und schon legte sich ein verschmitztes Lächeln auf seine Lippen und der Schalk blitzte in seinen Augen auf.



Leicht atemlos spürte Henrietta mehr, als dass sie es, sah, wie er ihrem Wunsch nachkam. Sie konnte fühlen, wie er eine Hand auf ihre relativ schmale Hüfte legte, und die andere schon beinahe zärtlich über ihren Rücken strich und schließlich zwischen ihren Schulterblättern innehielt. Er zog sie nicht zu sich heran, wie es vermutlich jeder andere junge Mann hier im Raum getan hätte (nur ein weiterer Beweis für sie, dass sie hier eindeutig etwas, jemanden Besonderes gefunden hatte). Ihre gespreizten Finger woben sich durch sein Haar, und sie seufzte zufrieden. „Hm, ja. Schon sehr vielversprechend“, sie nickte ganz leicht ohne den Blick von ihm abzuwenden. Dass er sie ebenso unverwandt ansah, brachte ihr Herz zum klopfen (tat es sonst natürlich auch immer, aber metaphorisch gesprochen klopfte eben doch noch einmal anders). Wie von selbst machte sie einen noch kleinen, kaum wesentlichen Schritt auf ihn zu, schloss die winzige Lücke die noch zwischen ihnen geblieben war.

„Dass alle Klischees falsch sind, ist leider ebenfalls eines“, gab sie mit einem verschmitzten Lachen zurück und ihre Augen leuchteten, „Na dann, womit möchtest du anfangen? Ganz harmlos damit, dass du mir eines der wundervollen Getränke aus eurer hervorragend bestückten Bar holst, von dem du weißt, dass es perfekt zu mir und meiner unwiderstehlichen Art passen wird?“ Unvermittelt reckte sie sich auf die Zehenspitzen, neigte den Kopf ein wenig zur Seite und schloss die Augen, um kurz die Nase gegen seinen Hals zu drücken. „Du riechst gut“, verkündete sie, den Mund beinahe an seiner Halsbeuge (ihr Atem an seiner Haut), und die Zufriedenheit in ihrer Stimme war deutlich herauszuhören. Er duftete nach einem unaufdringlichen Aftershave, frisch und kühl und im genau richtigen Verhältnis herb (ihre Mutter sagte immer, dass es mit das Wichtigste sei, dass man einen Mann gut riechen könne, und dass das deshalb zu den Dingen gehören sollte, die man besser gleich zu Beginn überprüft). Einen Moment blieb sie sie in dieser Position stehen, dann rückte sie soweit von ihm ab, dass sie ihm wieder in die Augen schauen konnte und ließ sich wieder auf die Fußsohlen sinken.

Ein neuer Song hatte zu spielen begonnen, jemand hatte wohl wieder eine andere CD eingelegt, aber es kümmerte sie nicht, hätte man sie gefragt, hätte sie nicht mal das Lied erkannt. Hier, mitten im Getöse der Party, hatte sie mit ihm einen eigenen Raum der Stille gefunden. Die Art, wie er sie ansah, ließ Schmetterlinge in ihrem Bauch aufflattern (und sie hatte selten Schmetterlinge im Bauch, zumindest nicht welche dieser  Art). Sie spürte, dass er sich auf ihr Spiel einlassen würde, und wollte wissen, was er daraus machen würde. Es war ihm anzusehen, dass sie ihm gefiel, ebenso wie sie selbst keinen Hehl daraus machte, dass sie ihn attraktiv fand. Und Menschen kennenlernen war ihr noch nie schwer gefallen, aber sie glaubte zu wissen, dass das hier etwas anderes war (mehr). Ihr verschmitztes Lächeln stand seinem spitzbübischen Gesichtsausdruck in nichts nach: „Oder müssen wir direkt etwas für deine Eroberungsstatistik tun?“



Als sie diesen winzigen Schritt auf ihn zumachte, fühlte er, wie jene unsichtbare Energie, die sich zwischen ihnen gebildet hatte, zu einem kleinen Stromschlag wurde. Das Kribbeln ging durch seinen ganzen Körper, sammelte sich aber erstaunlicher Weise nicht dort, wo es sich wohl bei jedem anderen jungen Mann in seinem Alter gesammelt hätte. Natürlich fand er sie mehr als attraktiv und anziehend, anziehender als jemals ein Mädchen zuvor, um genau zu sein. Aber der kleine Stromschlag sammelte sich nicht in seinen Lenden, sondern an einem Ort, der ihm noch nicht bewußt war, den er noch nicht genau definieren konnte, aber von dem er später einmal behaupten würde, dass sie direkt seine Seele berührt und sich dort eingebrannt hatte. Unwillkürlich fragte er sich, ob sie sein Herz klopfen spüren konnte, denn er hatte das Gefühl, es wollte ihm aus der Brust springen. Was für ein seltsames Gefühl, was für ein einzigartiges Mädchen, denn sie zählte definitiv nicht zu denen, die er bisher kennengelernt und vielleicht leidlich attraktiv gefunden hatte. “Siehst Du, schon ein Klischee, das wir ausgehebelt hätten. Also trifft auf uns schon einmal nicht zu, dass kein Klischee auf uns zutrifft!”, er konnte den Blick nicht von ihr ablenken und als sie ihm dieses verschmitzte Lachen schenkte, das ihre Augen zum Leuchten brachte, spiegelte es sich in seinen eigenen Augen wider.

Als sie sich reckte, vergaß er fast, zu atmen und sie zwang ihn durch die veränderte Haltung, den Blick aus ihren Augen zu nehmen. “War das jetzt eine Aufforderung?”, natürlich würde er den passenden Drink für sie finden oder notfalls kreieren, allerdings würde das bedeuten, dass er sie loslassen müsste und irgendwie hatte er dazu noch keine Lust. Als sie ihre Nase in seine Halsbeuge drückte, jagte ihm ein Schauer den Rücken hinab und er konnte sie nun ebenso gut riechen, wie sie anscheinend ihn, wie sie ihm unumwunden mitteilte. Er schloß für einen Moment die Augen und atmete 'sie'  ein, er konnte nicht sagen, ob sie ein Parfüm oder Deodorant aufgetragen hatte, aber er mochte ihren Duft, eine Note aus Vanille und Jasmin. Zumindest für ihn roch sie so, als Bruder von vier Schwestern, wovon zwei bereits die Pubertät erreicht oder zumindest an deren Anfang waren, hatte er schon einige 'Dufterlebnisse'  über sich ergehen lassen müssen. “Royal Fizz!”, murmelte er schließlich und öffnete die Augen wieder, als sie sich zurück auf die Fußsohlen sinken ließ, um ihren Blick wieder einzufangen.

Jacob war kein Kind von Traurigkeit, er war es gewohnt, egal wo er hinging, im Mittelpunkt zu stehen, ohne auch nur selbst einen Finger dafür krumm machen zu müssen. Selbst, wenn die Menschen nicht wußten, wie sein Nachname lautete oder welcher Familie und somit Schicht er entsprang. Er konnte sich sogar still und heimlich in einen Raum stehlen und es dauerte nicht lange, bis er von Fremden umringt war. Und am Ende jeder Partynacht kannte ihn Jeder. “Meine Eroberungsstatistik sieht ziemlich gut aus!”, er konnte nicht anders, als kurz aufzulachen, doch natürlich war dieses Angebot mehr als verlockend. “Aber Quantität ist nicht gleich Qualität, also muss ich wohl einräumen, dass ich gewillt bin, mein Niveau sehr stark anzuheben.”, selbst wenn das bedeutete, dass er mehr als nur einen Tanz benötigte, um dem Mädchen, dessen Namen er im Übrigen immer noch nicht kannte, näher zu kommen. Er hatte das ganze Drumherum vollkommen ausgeblendet, doch aus den Augenwinkeln bemerkte er gerade noch rechtzeitig einen reichlich angetrunkenen und torkelnden Fuchs, der auf sie Beide zustolperte, so dass er sie kurzerhand auf die Arme hob und sich gerade noch rechtzeitig mit ihr wegdrehte, bevor er gegen sie gestolpert wäre. Sie war ein Fliegengewicht und er machte sich nicht die Mühe, sie wieder auf ihre eigenen Füße zu stellen, sondern trug sie einfach weiter auf dem Arm, während er sich den Weg durch die Räumlichkeiten bahnte. Die normale Bar war zu ordinär bestückt für sie, wenn er ihr wirklich einen angemessenen Drink mixen wollte, weshalb er zur Tür der Räumlichkeiten ging, zu dem die üblichen Partygäste keinen Zugang hatten.



Seine Reaktion entging Henrietta nicht, und sie fragte sich, ob sein Herz wohl so schnell schlug wie ihres. Sie wollte ihn küssen, da war sie sich bereits jetzt sicher, und ein Schwarm Kolibris flatterte in ihrem Magen vor Vorfreude auf. Sie wusste nicht, wie er es anstellte, aber er gab ihr das Gefühl, das einzige Mädchen im Raum zu sein, und er schaffte das scheinbar so mühelos, dass sie gegen ihren Willen beeindruckt war. „Mhhmm!“, machte sie und lachte wieder auf, hielt sich nicht zurück in ihrer Freude, wie sie es eigentlich nie tat, „Hervorragend hergeleitet, ich liebe Logik! Frege hätte seine wahre Freude an uns gehabt.“

„Ganz eindeutig eine Aufforderung!“, bestätigte sie leise, nachdem sie sich ein wenig von ihm gelöst hatte und er scheinbar bereits eine Idee hatte, wie er dieser Aufforderung nachkommen sollte. Denn oh ja, sie wollte auf keinen Fall den Rest des Abends mit irgendjemand anderem verbringen, und sie hatte ganz sicher keine Hemmungen, ihm genau das zu zeigen. Gerade als sie das Thema Niveau kommentieren wollte, schnitt er ihr dadurch das Wort ab, dass er sie im wahrsten Sinne des Wortes von den Füßen riss. Auch wenn diese Bewegung vollkommen unerwartet kam, war sie nur für einen kurzen Moment überrascht, denn sofort fühlte sich noch richtiger  an, und sie fand selbst, dass seine Arme wie für sie gemacht schienen.

Den anderen Fuchs, der taumelnd an ihnen vorbeiwankte, nahm sie kaum wahr, dann in diesem Augenblick hatte sie nur Augen für ihn. Andernfalls hätte sie vielleicht auch die neidischen Blicke einiger Mädchen bemerkt, denn offensichtlich war sie nicht die Einzige, die Jacob attraktiv fand. So aber sah sie nur sein Profil, die gerade Linie seiner Nase, und das blitzende Blau seiner Augen (oh, sie mochte blau!). „Kein Wunder, dass du erfolgreich bei denen Eroberungen bist, wenn du immer so vorgehst…“ Sie löste eine Hand aus seinem Nacken und fuhr damit an seiner Wange entlang. Die Haut fühlte sich fast zart unter ihren Fingerspitzen an, ganz offensichtlich frisch rasiert, ihre Hand glitt seinen Hals hinab und schließlich an seinem Shirt festhielt.

Sie hatte keine Ahnung, wohin er sie mitnahm, und im Grunde kümmerte sie das auch nicht wirklich. Die stickige Luft und das Gedränge der Party hatten jeden Reiz verloren, und eigentlich wollte sie irgendwo mit ihm alleine sein, wo man sich unterhalten konnte, und wo sie vielleicht Gelegenheit haben würde… „Hey Jacob! Tu nichts, was ich nicht auch tun würde“, ertönte eine Stimme hinter ihnen und riss sie aus ihren Träumereien. Henrietta ließ den Kopf in den Nacken fallen, um zu sehen, wer diesen wenig originellen Spruch vom Stapel gelassen hatte, und ihr gleichzeitig einen Vorteil dadurch verschafft hatte, dass er ihr seinen Namen verraten hatte.

Kurz erhaschte sie einen Blick auf einen weiteren blonden jungen Mann (war die Haarfarbe hier Aufnahmevoraussetzung?), etwas älter als Jacob, der mit einer Bierflasche in der Hand am Treppengeländer gelehnt stand und sie beide aufmerksam zu mustern schien. Sie hob den Kopf wieder und wieder lächelte sie. „Jacob“, sagte sie, testete den Klang seines Namens, als müsste sie ihn erst auf seine Tauglichkeit prüfen, aber ihre Stimme verriet bereits, dass er ihr gefiel, und schon jetzt schwang das Versprechen darin mit, dass sie ihn ganz sicher nicht zum letzten Mal ausgesprochen hatte. „Also, wohin entführst du mich, Jacob?“



Überraschte es Jacob, dass sie Gottlob Frege erwähnte? Nein, nicht wirklich, ihm hatte diese kurze Zeit mit ihr ja schon ausgereicht, um festzustellen, dass sie anders, ganz besonders war. Würde es sie überraschen, wenn sie erfuhr, dass er tatsächlich etwas mit dem Namen anfangen konnte? Vielleicht, vermutlich? Es war nicht so, dass er sich ausgiebig mit der analytischen Philosophie beschäftigt hatte, auch wenn er Philosophie an der Highschool belegt hatte (er dachte immer noch gern an Mr. Harbottom-Smythe zurück, den durchgeknallten Lehrer mit seinen Eigenarten, den Viele jedoch außerordentlich unterschätzten) , aber er hatte noch nie Probleme gehabt, sich komplexe Zusammenhänge zu merken oder zu erschließen. Er galt zwar für die Meisten sicherlich nur als reicher, schnöseliger Sunnyboy, doch sein IQ lag wesentlich über den Durchschnitt der hier anwesenden, saufenden Studenten (allerdings hielt er es nicht für nötig, damit anzugeben) . Ihr Lachen und ihre Freude hingegen, ließ sein Herz aufgehen, es war als würde sie Funken vesprühen, die ihn nicht verbrannten, sondern ein Feuer in ihm entfachten. "Deswegen hat er Gott gelobt!", murmelte er mit einem Grinsen, er hatte den Namen damals sehr interessant gefunden, weshalb er sich darüber genauer informiert und schließlich die Übersetzung gefunden hatte.

Er genoß es, sie so auf den Armen zu tragen und war dem torkelnden Fuchs insgeheim sogar dankbar, andernfalls wäre er zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht so 'forsch' vorgegangen. Er war sich der Blicke der anderen Mädchen bewußt, so lief es schließlich fast immer, er hatte noch nie wirklich Probleme gehabt, ein Mädchen für sich zu begeistern, wenn er es denn wollte. Unglaublicher Weise hatte er dazu jedoch nicht immer Lust, denn auch wenn ihm 'die Herzen der Weiblichkeit'  anscheinend ohne ersichtliche Mühe einfach so zuflogen, fand er das Ganze mitunter sehr anstrengend. Und in ihrer Gegenwart verblassten alle anderen Mädchen zu verschwommenen Schemen einer Einheitsstatur. Ihm war unterbewußt  jetzt schon klar, dass dies hier der Start etwas ganz Besonderem war. Ein wohliges Brummen kam über seine Lippen, als sie eine Hand aus seinem Nacken löste, um sie anschließend über seine Wange und den Hals streichen zu lassen, wieder glaubte er, dass eigentlich Jeder den Funkenflug, den sie damit auslöste, hätte sehen müssen. "Du willst mir also weismachen, es liegt nur an meiner Körperlichkeit und nicht an meinem Intellekt, dass die Frauen auf mich stehen? Wie erschütternd!", das verschmitzte Grinsen glitt auf seine Lippen zurück und seine Augen funkelten vergnügt auf. Er trug sie weiter durch die Menge, steuerte auf geschlossene Flügeltür zu, welche die 'normalen' Partygäste davon abhielt, die wirklich privaten Räumlichkeiten der Verbindung zu betreten.

Als er die Stimme hörte, wandte er sich halb herum, um seinen Blick auf den jungen Mann zu lenken, der an der Treppe stand und das Mädchen und ihn anscheinend intensiv beobachtete. Sébastian, der 'Bruder' , der ihn unter seine Fittiche genommen hatte; ebenso wie Jacobs' eigene Familie, war die von Sébastian einflußreich und schon seit ein paar Generationen Mitglied der Verbindung. Jacob mochte ihn, Sébastian war einer gewesen, der sehr schnell erkannt hatte, welches Potential in Jacob schlummerte. Er zwinkerte dem Älteren zu und wandte sich dann wieder der Tür zu, als er hörte, wie sie seinen Namen sagte. Sein Blick glitt sofort wieder auf sie hinab und unwillkürlich musste er lächeln, noch nie hatte ihm sein Name so sehr gefallen wie in diesem Augenblick. Und nun war sie eindeutig im Vorteil, denn er wußte ihren Namen immer noch nicht. "An einen Ort, wo wir uns besser unterhalten können!", und er meinte es tatsächlich so; selbstverständlich hätte er nichts dagegen, wenn noch mehr als nur Reden passierte und es juckte ihn in den Fingerspitzen, sie einfach zu küssen, aber er wollte einfach mehr  von ihr, ihrem Wesen, ihren Worten, ihren Gedanken. Als wäre sie eine Droge und hätte ihn bereits süchtig gemacht. Damit öffnete er mit dem Ellenbogen die verschlossene Tür, drückte sie auf und verschwand mit ihr in den dahinter liegenden Raum, der momentan nur von dem Lichtkegel, der durch die nur unwesentlich geöffnete Tür hinter ihnen spärlich erhellt wurde. Es handelte sich um den Raum, in welchem die Ehemaligen empfangen wurden, der luxuriöser ausgestattet war als die übliche Verbindungseinrichtung und eine sichtlich bessere Bar beinhaltete. Er drehte sich mit ihr, immer noch ohne Anstalten zu machen, sie wieder abzusetzen, schob mit einem Fuß die Tür wieder zu und betätigte den Lichtschalter mit dem Ellenbogen, wobei nur gedämpftes Licht aufflammte und ihnen nicht in den Augen blendete. "Verrätst Du mir jetzt auch Deinen Namen oder muss ich raten?", schmunzelte er und trug sie dann hinüber zur Bar, um sie sanft auf dem Tresen abzusetzen, jedoch unterbrach er dabei immer noch nicht den Körperkontakt, den sie zueinander aufgebaut hatten.


zuletzt bearbeitet 24.03.2018 17:17 | nach oben

#2

RE: Down the Rabbit Hole || Spätsommer 2007, nach 22 Uhr || Jacob und Henrietta

in Past 24.03.2018 20:43
von Henrietta Carlisle | 43 Beiträge

Dass er wusste, worauf sie angespielt hatte, gefiel ihr, noch mehr jedoch gefiel ihr die beiläufige Leichtigkeit, mit der er Freges Vorname zum Spielball ihres Dialogs machte. „Philosophie und Gott, normalerweise beides KO-Kriterien bei einem ersten Date!“, Henrietta schnurrte beinahe, schmiegte sich zufrieden enger an ihn und hob ihre Zufallsbegegnung ohne Hemmungen auf ein neues Level, denn irgendwie wusste sie bereits, dass Jacob nach diesem Abend nicht einfach wieder aus ihrem Leben verschwinden würde. Und das fühlte sich viel besser an, als sie jemals vermutet hätte. „Ich glaube, dass ein Teil der hier anwesenden Mädels Intellekt  dank eurer Getränkeauswahl inzwischen nicht mehr buchstabieren können, oder aber noch nie konnten. Der andere Teil wird vermutlich von deiner Körperlichkeit so geblendet, dass sie sich keine Gedanken mehr um irgendetwas anderes machen. Aber zum Glück gibt es mitten drin… mich, die beides zu schätzen weiß!“ Sie lachte fröhlich auf, und machte damit deutlich, dass sie das nur halbernst meinte, denn eigentlich war sie nicht der Typ dafür, auf andere herabzusehen. Aber hier, bei dieser Gemengelage an betrunkenen Studierenden konnte man ja kaum anders, vor allem dann, wenn gerade der buchstäbliche Blitz eingeschlagen hatte. Sie war beinahe enttäuscht, als er sie in dem Hinterzimmer (oder wie auch immer die Räumlichkeit im Jargon der Verbindung genannt wurde, eigentlich fehlte nur die Geheimtür hinter der Bücherwand), auf einem Tresen absetzte. Für einen kurzen Moment wandte sie den Blick von ihm ab, blickte sich um, bog dann den Rücken nach hinten und den Kopf in den Nacken. Die Welt war auf den Kopf gestellt, aber das änderte nichts daran, dass sie den Unterschied zwischen der Ausstattung hier und im Erdgeschoss augenblicklich erfasste. „Oh, spannend. Hinter den Kulissen herrscht gediegener Luxus, damit man sich mit Stil betrinken kann, anstatt sich nur wahllos volllaufen zu lassen.“

Nach dieser Feststellung erst widmete sie sich seiner eigentlichen Frage, die sie nur für den Moment unbeachtet gelassen hatte. „Nein, du musst nicht raten – einfach fragen genügt vollkommen, und ich beantworte dir alles, was du wissen willst!“, sie lächelte ihn verschmitzt und offen an, die Handgelenke ruhten locker auf seinen Schultern und ihre Fingerspitzen tippten sachte den Rhythmus zur Musik, die von unten nur noch entfernt wie aus einer anderen Welt zu hören war. „Mein Name ist Henrietta. Und ich habe keine Geheimnisse.“ Was so ziemlich den Tatsachen entsprach. In der Kommune, in der sie aufgewachsen war, hielt man große Stücke auf die Wahrheit und vertrat den Standpunkt, dass eine Gemeinschaft nur funktionieren konnte, wenn vollkommene Offenheit zwischen ihren Mitgliedern herrschte. Inzwischen war ihr sie zwar der Naivität dieser Einstellung entwachsen (sie konnte von Glück reden, dass ihre Eltern bei allem Idealismus dennoch mit einer gewissen Bodenhaftung gesegnet waren), aber sie war noch jung genug, dass sie es sich nicht vorstellen konnte, dass es Dinge gab, die man besser für sich behielt. Sie lehnte sich ein wenig zurück, ohne seiner Nähe dabei auszuweichen, im Gegenteil. Den Kopf schräg gelegt, sah sie ihn an. Plötzlich verspürte sie den unbändigen Wunsch, ihn zu küssen. Oder dass er sie küssen möge. Wieder trafen sich ihre Blicke, und ihr Herz stolperte leicht. „Sagtest du nicht etwas von einem Drink, Jacob?“, fragte sie, mit einem Mal fast leise geworden, und sein Name war eine Liebkosung aus ihrem Mund. Vorsichtig ließ sie eine ihrer Hände über seine Schulter nach vorn wandern, wo sich ihre Finger kaum spürbar in den Stoff des Shirts gruben. Denn eigentlich wollte sie nicht, dass er sich auch nur einen Schritt von ihr entfernte, was auch der Grund war, dass sie sich instinktiv wieder in die andere Richtung zurück zu ihm nach vorne lehnte.

@Jacob Yates


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