◇ DAS WETTER IN PORTLAND ◇

◇ DER SPIELZEITRAUM ◇ ◇ WICHTIGE INFOS ◇

Der Februar verspricht uns einen verfrühten Frühlingsanfang, die Sonne lässt sich öfter blicken, auch wenn der Regen immer noch dominiert. Die Durchschnittstemparaturen liegen bis etwa zur Hälfte des Monats tagsüber bei 10° bis 15°C, während sich die Werte in der Nacht bei etwa 1°C einpendeln. Danach fallen die Temperaturen plötzlich tagsüber auf 4° bis 9°C. Die Nächte rutschen in den Minusgradbereich um die -1° bis -6°Cund bescheren uns immerhin morgens hin und wieder Schneeschauer. Jedoch bleibt der Schnee nicht liegen. Ihr merkt schon, das geeignete Wetter, um seine Migräne und Wetterfühligkeit zu pflegen.

Anfang März ist es noch kühler, die Durchschnittstemperaturen liegen tagsüber bei 8° bis 14°C, danach steigen die Temperaturen stetig und pendeln sich durchschnittlich bei 14° bis 17°C ein. Die Nächte liegen durchschnittlich bei 1° bis 4°C. Natürlich regnet es auch in diesem Monat noch häufig, doch explosionsartig beginnt das Grün zu sprießen und die Blüte bei verschiedenen Büschen, Sträuchern und Blumen setzt ein. Die geeignete Zeit, um dem Botanischen Garten oder anderen Parks einen Besuch abzustatten.

Und ach ja, richtig Mr. President, es gibt natürlich keinen Klimawandel!

Februar/März 2018

Highlight dieser Monate:

14.02.18 - Valentinstag

01.3.18 - Frühlingsanfang

02.3.18 - 11.03.18 traditioneller Jahrmarkt

17.3.18 - St.Patricks Day



Die nächste Zeitumstellung findet voraussichtlich Anfang September statt.

Herzlich Willkommen in Portland!♡

Wir sind ein FSK18 Forum mit Szenentrennung. Bitte gebt Euren Szenen Titel mit folgendem Aufbau:

Titel | Datum | Uhrzeit | Mitspieler | Offene Szene bzw. geschlossene Szene

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Status des Forums: Geöffnet seit dem 27.02.2018 / 16:50 Uhr

#1

Not all those who wander are lost - Iain and Hope

in Past 12.04.2018 11:42
von Hope Autumn Coltraine | 41 Beiträge

1. April 2017 - Portland




An diesem gottverfluchten ersten April, ist sie nicht nur vor ihrer Mutter geflohen, sondern auch vor dem Leben in der militanten Kommune, in welcher sie seit gut einem halben Jahr mit ihrer Mutter lebte. Eigentlich mochte sie dieses Leben, sie kannte es nicht anders und es störte sie nicht, Teil einer Gemeinschaft zu sein und für sie zuarbeiten. Was sie jedoch störte war, wenn wildfremde Menschen anfingen, sie bevormunden zu wollen und wie ein kleines Kind zu behandeln. Ihre Mutter schlief erst seit ein paar Wochen mit dem Kerl und er begann sich auf zu führen, als ob er der Oberdaddy sei – allerdings im negativen Sinne. ‚Mach dies nicht und mach das nicht und hast du schon die Aufgaben erledigt, vorher kannst du nicht weg…‘, so ging das den ganzen Tag. Sie war erwachsen, volljährig, studierte relativ erfolgreich an einer ziemlich guten Uni. Es war zwar nicht Harvard oder Yale, aber dafür, dass sie nur ein Jahr auf dem College war, machte sie sich gar nicht mal so schlecht, wie sie fand. Zumindest wurde die Stimmung zu Hause immer angespannter, was sich nicht nur zwischen ihr und dem neuen Freund ihrer Mutter wiederspiegelte, sondern auch zwischen ihr und ihrer Mutter. Etwas, das es in all den Jahren zuvor nie gegeben hatte. Ihre Mum stand sonst immer hinter ihr, hatte sie verteidigt und in Schutz genommen, wenn ihre Typen auch nur irgendetwas gegen Hope gesagt hatten, aber bei ihm jetzt… Nur weil er ein paar Jahre in Indien bei einem Guru gelebt hatte und er der Gründer des Ökodorfes war, hatte er noch lange nicht das Recht, sich wie ein Gott aufzuspielen. So sah es der Blondschopf zumindest. Ihre Mutter jedoch stand dieses Mal voll und ganz zu dem momentanen Mann in ihrem Leben und wie es ihrer Tochter dabei ging, interessierte sie überhaupt nicht. Als er ihr dann auch noch den Laptop, den ihre Großeltern ihr zum Studium geschenkt hatten, wegnehmen und ihn ungefragt zum Gemeinschaftseigentum erklären wollte, war ihre Geduld endgültig vorbei gewesen und sie hatte ihre wenigen Sachen zusammen gepackt. Ohne ein Wort des Abschieds zu ihrer Mutter, hatte sie sich ein Taxi gerufen und zum Campus fahren lassen, wo ihre Odyssee für einen Schlafplatz begann. Erfolglos und nun stand sie hier, allein, nachts, mitten in Portland und ohne Geld. Denn das meiste war für die Taxisfahrt draufgegangen. Ihr Plan bei einer Freundin auf dem Campus unterzukommen, war grandios nach hinten losgegangen, als diese ihr umständlich erklärte, dass es ungünstig sei, weil ihr Freund im Moment da wäre. Auch ihre nächsten Anläufe, irgendwo für die Nacht unterzukommen, waren gescheitert - kein Platz, nicht anwesend, Hausarbeiten schreiben... Als sie dann doch endlich einen Platz für die Nacht gefunden hatte, ein Kommilitone mit dem sie kurzzeitig mal etwas hatte, sah dieser das natürlich gleich wieder als Einladung an, da anzuknüpfen, wo sie aufgehört hatten. Schneller als er gucken konnte, hatte sie mitten in der Nacht ihre Sachen geschnappt und war in das nächstgelegene noch geöffnete Starbucks auf dem Campus geflohen, um bei einem großen Becher heißer Schokolade, ihre noch in Frage kommenden Möglichkeiten durch zugehen. Viel blieb nicht mehr übrig, wenn sie nicht zurück zu ihrer Mum wollte. Und da sie unter keinen Umständen zurück wollte, blieb ihr auch nur diese eine letzte Option – ihr Vater.

Hastig trank sie den Becher aus, als ihr der Mitarbeiter erklärte, dass er gleich zu machen würde und noch nicht einmal richtig angezogen, setzte er sie wieder vor die Tür. Den riesen Seesack, neben sich gestellt, kramte sie aus diesem erst noch einen dickeren Pullover raus, zog ihn an und darüber ihren Parker. Die Sandaletten tauschte sie gegen ihre Chucks und etwas umständlich hievte sie ihre Tasche wieder auf den Rücken. Zumindest hatte sie jetzt ein Ziel. In den Süden der Stadt, zu ihrem Dad, der hoffentlich zuhause war. Ob er sie wohl auch abholen kommen würde, wenn sie ihn anrief? Bestimmt. Voller Zuversicht zog sie ihr Handy aus der Jackentasche, entsperrte es und… der Bildschirm wurde schwarz. Ein leiser Fluch kam über ihre Lippen und genervt ließ sie das Handy wieder in den Tiefen ihrer Jacke verschwinden und machte sich zu Fuß auf den Weg Richtung Süden. Auch wenn sie bisher noch nie bei ihm zuhause gewesen war, wusste sie ungefähr wo er wohnte. Wenigstens hatte sie seine Adresse im Kopf und auf dem Campus verteilt, fand man große Übersichtstafeln mit einem Ausschnitt vom Stadtplan, auf welchem die unterschiedlichen Universitätseinrichtungen und Studentenwohnheime eingezeichnet waren. Wenn sie Glück hatte, lag seine Adresse noch innerhalb dieses Ausschnitts. Schnell hatte sie eine der Tafeln ausfindig gemacht und sie hatte Glück, die Straße war noch mit drauf. Mit dem Finger fuhr sie über die Karte und ging die Strecke gedanklich mehrmals durch. Soweit schien es wirklich nicht weg zu sein und daher lief sie frohen Mutes los Richtung Süden und gerade als sie die Brücke über den Highway überquerte, fielen die ersten dicken Regentropfen gen Erde. An einen Schirm oder so etwas hatte sie natürlich nicht gedacht und so zog sie sich ihre Kapuze tief ins Gesicht, als die Tropfen immer größer und schneller vom Himmel kamen und kurz bevor dieser endgültig seine Schleusen öffnete, erreichte sie eine der wenigen überdachten Bushaltestellen, wo sie etwas Schutz fand. Ihren riesen Rucksack, neben sich auf die Bank gestellt, setzte sie sich und wartete darauf, dass der Regen nach lassen würde. Aber nichts geschah. Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet ihr, dass sie bereits seit gut einer halben Stunde wartete und wenn sie ihren Vater nicht wirklich mitten aus dem Schlaf klingeln wollte, musste sie sich wohl oder übel den Elementen stellen. Es war dreiviertel Zwölf. Wenn sie gut voran kam und zügig lief, müsste sie es in zwanzig Minuten eigentlich schaffen. Wenn… den bisher konnte man diesen Tag wirklich nur als einzigen schlechten Aprilscherz bezeichnen und alles was schief gehen konnte, ging schief – einschließlich des Wetters. Ein Seufzen entkam ihrer Kehle und mühsam rappelte sie sich wieder hoch und schulterte ihre Tasche, ehe sie sich wieder auf den Weg machte. Zwanzig Minuten Fußmarsch waren im Grunde nichts Schlimmes – bei schönem Wetter und ohne schweres Gepäck. Aber nachts bei Regen, müde und hungrig… die Strecke zog sich gefühlt in die Unendlichkeit und langsam spürte sie auch, wie die Feuchtigkeit in ihre Klamotten kroch und sie anfing zu frieren, obwohl sie zügig lief. Erst als sie die große Hauptverkehrsstraße hinter sich gelassen hatte und in das ruhige Wohnviertel einbog, atmete sie erleichtert auf und sie zählte gedanklich die Seitenstraßen zu ihrer rechten, bis sie wieder nach rechts abbog und sich auf die Suche nach dem Haus ihres Vaters machte und nichts fand. Rechts und links von ihr standen zwar lauter Einfamilienhäuser, aber keines mit der Hausnummer 2453. Wieder fiel ihr Blick auf ihre Armbanduhr – halb Eins. Mittlerweile waren ihren Sachen nicht nur feucht, sondern klebten schon unangenehm an ihrem Körper und sie war komplett, bis zur Unterwäsche, durchnässt. Tränen stiegen ihr langsam in die Augen und sie war versucht sich einfach in einen der gepflegten Vorgärten zu legen und die Augen zu schließen, den Regen auf dem Gesicht zu spüren und an nichts zu denken. Für einen kurzen Moment lehnte sie sich an einen der großen Laubbäume, die die Straßen säumten und schloss die Augen. Sie fror, war müde, hatte Hunger, war mehr als nur pitschnass und hatte keine wirkliche Ahnung, wo sie genau war. Sie atmete einmal tief ein und aus und zählte leise bis fünf, während sie das Gefühl der Verzweiflung zuließ. Fünf. Sie stieß die Luft regelrecht aus ihren Lungen und öffnete die Augen und orientierte sich neu. Gedanklich rief sie sich den Stadtplan in Erinnerung und versuchte ihr ungefähre Position einzuordnen. Weit weg konnte das Haus ihres Dads nicht sein. Wahrscheinlich war sie nur ein oder zwei Straßen zu zeitig abgebogen… Sie machte auf dem Absatz kehrt und lief den Weg bis zur nächsten Straßenkreuzung zurück. Falsche Straße, bestätigte ihr das Schild, was sie selbst schon wusste und sie lief die die kleinere Hauptstraße weiter entlang, bis zur übernächsten Abzweigung. „Endlich“, murmelte sie tonlos und bog abermals rechts ab, jetzt aber in die richtige Straße und hielt Ausschau nach dem Haus mit der Nummer 2453. 2447, ihre Schritte wurden schneller. 2449, 2451… 2453. Ein Lächeln erschien auf ihren Zügen und Erleichterung breitete sich in ihr aus, während sie stumm das dunkle Haus betrachtete. Sie hatte es geschafft. Endlich. Tränen der Freude stiegen ihr in die Augen und vermischten sich auf ihren blassen Wangen mit dem Regen. Den Blick auf die Armbanduhr sparte sie sich. Wahrscheinlich war es bereits um Eins und wahrscheinlich lag ihr Dad schon längst im Bett und schlief den Schlaf der Gerechten. Zumindest machte es auf den ersten Blick diesen Anschein, wenn sie sich das im Dunkeln daliegende Haus ansah. Für einen kurzen Moment sog sie diesen Anblick in sich auf, während der Regen weiterhin unablässig auf sie niederprasselte und sie sich ihren Gefühlen hingab. Sie verschwendete keine weiteren Gedanken daran, was er von ihr halten könnte, wenn sie ihn mitten in der Nacht aus dem Bett klingelte oder ob es unhöflich war, wenn sie einfach so ohne Voranmeldung bei ihm aufkreuzte, sondern setzte sich langsam wieder in Bewegung und lief quer über das kurze Rasenstück, ehe sie die knarrenden Stufen der Veranda hinaufstieg. Schniefend wischte sie sich mit dem nassen Ärmel über das Gesicht und drückte mehrmals die Klingel, über der der Name Coltraine prangte. Wartend lauschte sie auf Geräusche aus dem inneren des Hauses, aber ihr Schniefen und der Regen, der auf das Verandadach trommelte, machten es ihr unmöglich, etwas zu hören. Erst als sie einen kleinen Lichtschimmer wahrnahm, hielt sie gespannt die Luft an und erst jetzt wurde ihr so richtig bewusst, wo sie war und was sie machte und das sie eigentlich gar nicht wusste, was ihr Vater von der ganzen Aktion hielt, sie bisher auch nie wirklich bewusst wahrgenommen hatte, wie und wo er lebte. Eigentlich hatte er sie immer besucht und seit den vier Monaten, die er jetzt in Portland lebte, hatten sie sich immer irgendwo getroffen – waren zusammen essen gegangen, ins Kino, Bowling oder hatten sich kurz zwischen ihren Vorlesungen auf dem Campus zu einem Kaffee verabredet, aber sie war bisher noch nie bei ihm zuhause gewesen. Um umzukehren oder ein andermal wieder zukommen, war es bereits zu spät, denn sie hörte wie ein Schlüssel im Schloss herum gedreht wurde, nur um einige Sekunden später in das erstaunte und überraschte Gesicht ihres Vaters zu blicken. Wieder stiegen ihr Tränen in die Augen und sie hauchte nur leise „Daddy“, ehe sie weinend vor seiner Tür zusammensackte.

sorry für die Länge der nächste wird kürzer... versprochen
@Iain Coltraine


zuletzt bearbeitet 12.04.2018 11:48 | nach oben

#2

RE: Not all those who wander are lost - Iain and Hope

in Past 23.04.2018 07:05
von Iain Coltraine | 21 Beiträge

Iains Leben in Portland hatte begonnen, sich einzupendeln. Eine gewisse Normalität hatte sich eingespielt, auch wenn er sich langsamer daran gewöhnte, vollkommen sein eigener Herr zu sein, als er erwartet hatte. Kein gesichtsloser Dienstherr, dessen Entscheidungen festlegte, an welchem gottverlassenen Ort ihn der nächste Konflikt führte. Ihm war bewusst, dass er dankbar sein hätte müssen, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Aber dennoch erfüllte ihn die neugewonnene Freiheit mit einer inneren Unruhe, für die er keinen Namen hatte. Er hatte einen Job, dem er nachging, eigentlich sogar zwei, aber es war einfach nicht dasselbe. Eine Verlagerung der Prioritäten, eine Verlagerung der Dringlichkeit, und ein Verlust des Gefühls, bei aller Sinnlosigkeit dafür Verantwortung dafür zu tragen, einen Unterschied zu machen. Darüber durfte er nicht zu lange nachdenken, sondern sich lieber auf all das Gute in Portland konzentrieren. Das Beste . Das Beste an Portland war seine Tochter, die er noch nie so oft gesehen hatte wie in den letzten Monaten. Er hatte so viel von ihrem Leben verpasst, dass es nicht nachzuholen war, aber jetzt doch noch aktiv Teil davon zu sein war ein Geschenk, von dem er nach wie vor nicht sicher war, wie er es verdient hatte.

Der 1. April war ein ereignisarmer Tag gewesen. Den Vormittag hatte er mit einigen Renovierungsarbeiten am Haus verbracht, die marode Veranda war in einem erbärmlichen Zustand, und falls er im Sommer darauf und nicht darunter sitzen wollte, musste er etwas dagegen unternehmen. Also war er zuerst in einen Baumarkt gefahren, danach hatte er sich daran gemacht, die alten Holzbohlen abzunehmen und Stück für Stück durch neue zu ersetzen. Zwischendurch war eine der Nachbarinnen vorbeigekommen und hatte ihm Zitronenlimonade gebracht. Zitronenlimonade! Als wäre es Hochsommer, und nicht April. Als er sich höflich bedankte, sprach das Lächeln der Frau eine eindeutige Sprache, und er manövrierte sich mehr schlecht als recht durch den sich anschließenden Smalltalk. Nachdem er es geschafft hatte, ihre Einladung zum Essen abzuwiegeln, floh er ins Haus und unter die Dusche. Im Anschluss hatte er darüber nachgedacht, noch ins Fighting Arts zu fahren, aber sich schließlich doch entschieden, im Park laufen zu gehen. Der war beinahe groß genug, um dabei an seine Grenzen zu gehen, und es hatte sich besser angefühlt, als es sich eigentlich sollte. Eine Empfindung, die er lieber nicht näher hinterfragte, egal wie ehrlich er zu sich selbst auch sein wollte. Ein Anruf von George, gerade als Iain zum zweiten Mal aus der Dusche kam, bewahrte ihn davor, darüber nachzudenken, ob er auf etwas zu oder vor etwas weglief, und die beiden verabredeten sich auf ein Bier. Alles in allem war es ein guter Tag gewesen, ein normaler Tag, und vielleicht war das der Grund, weshalb er sehr viel später keinen Schlaf fand und im Dunkel des Schlafzimmers dem Regen lauschte, der irgendwann vor 12 eingesetzt hatte und seither unverdrossen auf das Dach trommelte. Vermutlich wäre es vernünftig gewesen, aufzustehen und sich zu beschäftigen, bis ihn die Müdigkeit einhole. Stattdessen blieb er liegen, die Hände im Nacken verschränkt, allein mit seinen Gedanken, die in der Nacht so viel mehr Raum einnahmen als am Tag.

Und gerade als sich ihm der Schlaf näherte wie ein alter Freund, den man lange nicht gesehen hatte, gerade kurz bevor er davor war, einzudösen, ertönte die Haustürklingel. Der Adrenalinschub vertrieb augenblicklich jeden Anflug von Entspannung, und er stand bereits neben dem Bett, ehe er auch nur einen klaren Gedanken gefasst hatte. Er zögerte auch nicht lange, barfuß eilte er die Treppen hinunter und schaltete im Vorbeigehen die Lampe im Hausflur an. Mit allem Möglichen mochte er gerechnet haben, vielleicht ein Autofahrer mit einer Reifenpanne oder Jugendliche, die einen Streich spielten und schon lange das Weite gesucht hatten – nicht jedoch damit, dass der schwache Lichtschimmer auf das blasse Gesicht seiner Tochter fiel. „Hope? Was…“, Iain hatte den entgeisterten Ausruf noch nicht beendet, als er sie schwanken sah. Hastig machte er einen Schritt nach vorne und schloss ihre zierliche Gestalt in die Arme. Sie war vollkommen durchnässt, eine Nässe, die sich sofort auf sein Shirt und die leichten Jogginghosen übertrug, in denen er schlief. Aber das spielte keine Rolle, denn die Tatsache, dass sie weinte , machte alles andere nahezu bedeutungslos. Sein Herz sackte ihm in die Kniekehle, die Sorge um sie ebenso überwältigend wie plötzlich. „Shshsh“, machte er in beruhigendem Tonfall und drückte ihren Kopf sacht gegen seine Brust. Unwillkürlich blickte er die Straße hinauf und hinunter, aber es war nichts weiter zu sehen. Hope nass, in Tränen aufgelöst und mitten in der Nacht vor sich zu haben... die Assoziationen, die ihm durch den Kopf schossen, trugen nicht dazu bei, dass sich sein Puls normalisierte. Den einen Arm noch immer um seine Tochter gelegt, griff er mit der freien Hand nach ihrem Seesack – der sich als deutlich schwerer als erwartet entpuppte, so dass er sich kurz fragte, was sie darin mit sich herumschleppte, Wackersteine? Achtlos ließ er den Sack im Haus wieder fallen und schloss die Türe hinter ihnen, nur um dann erneut beide Arme um das Mädchen zu legen. Denn für den Moment war die selbstbewusste junge Frau verschwunden, und stattdessen schien er wieder das kleine Mädchen von früher vor sich zu haben. Wortlos führte er sie hinüber ins Wohnzimmer, wo er sich aufs Sofa setzte und sie mit sich zog. Nachdem er sie wie ein Kind eine Decke gewickelt hatte, hielt er sie einfach nur fest, um ihr die Gelegenheit zu geben, sich zu beruhigen, auch wenn ihm zahlreiche Fragen auf der Seele brannten und es ihn einiges an Selbstbeherrschung kostete, selbst die Ruhe zu bewahren.

Keine Sorge, alles ist gut @Hope Autumn Coltraine


zuletzt bearbeitet 21.05.2018 18:04 | nach oben

#3

RE: Not all those who wander are lost - Iain and Hope

in Past 21.05.2018 17:48
von Hope Autumn Coltraine | 41 Beiträge

Auch wenn sie jetzt ein gutes halbes Jahr bereits in Portland war, so richtig zu Hause fühlte sie sich noch immer nicht. Obwohl sie hier die Möglichkeit hatte eine sehr gute Uni besuchen zu können und sie das Studium von den Eltern ihres Dads finanziert bekam, vermisste sie so ziemlich alles aus ihrer Heimat. Ihre Großeltern, ihre Freunde, die Leute und die lockere, internationale Atmosphäre am Institut, die Landschaft von Big Sur, das Meer, Tage am Stand, den Wind… Nur die Arbeit auf der Farm war die gleiche. Wirklich Spaß machte es ihr hier aber nicht, was zum Großteil an dem neuen Freund ihrer Mum lag. Woran er ebenfalls Schuld hatte in ihren Augen, war die immer schlechter werdende Beziehung zu ihrer Mutter und den Umstand, dass sie mitten in der Nacht, alleine auf den Straßen Portlands unterwegs war und durch den strömenden Regen laufen musste. Im Moment hatte sie das starke Gefühl, ganz allein auf dieser Welt zu sein, nirgends hin zu gehören, überall nur zu stören und unerwünscht zu sein. Immer öfter hatte sie bereits mit dem Gedanken gespielt, zurück nach Big Sur zu gehen, sollte ihre Mum hier doch alleine glücklich werden. So wie sie sich zurzeit verhielt, hatte sie eh kein Platz mehr für Hope in ihrem Leben oder sie fand, dass ihre Tochter jetzt alt genug war, um auf eigenen Beinen zu stehen und keine Mutter mehr brauchte. Warum sie sie dann aber ausgerechnet mit hier her nehmen musste, wollte der Blondine auch nicht einleuchten? Sie hätte problemlos bei ihren Großeltern bleiben können und dort auf der Farm oder im Kindergarten arbeiten. Das einzig Gute bisher in Portland war wirklich, dass ihr Vater die Army verlassen hatte und dabei war, sich ein ziviles Leben aufzubauen. Das erste Mal in ihrem Leben, konnten sie wirklich Zeit mit ihm verbringen. Nicht nur vorüber gehende Besuche im Beisein ihrer Mutter oder ein paar Wochen im Jahr, wenn er von den verschiedensten Auslandseinsätzen zurück war. Diese kurze Zeit im Jahr war immer etwas besonderes gewesen für die Blondine und da sie keine Schule besuchte, hatten sie die Zeit auch jedesmal optimal genutzt. Trotzdem war es etwas anderes, wenn man Anteil am Alltag des jeweils anderen haben konnte und auch wenn sie bei ihrer Mum, außerhalb Portlands wohnte, sahen Iain und sie sich so oft es den beiden möglich war. Dass dadurch die Bindung zwischen Vater und Tochter immer stärker geworden ist, war daher nicht verwunderlich. Etwas das ihrer Mutter mehr als sauer aufstieß, hatte sie von Anfang an gegen die Vater-Tochter-Beziehung gekämpft. Erfolglos und der heutige Abend zeigte es nur wieder allzu deutlich. Wenn sie wirklich Hilfe benötigte, den Schutz der Familie brauchte, wandte sich die junge Frau lieber an ihren Vater, als an ihre zuweilen recht seltsame Mutter. Daher sollte es nicht überraschen, dass sie wie aus heiterem Himmel, plötzlich nachts vor der Tür ihres Vaters stand und hoffte, dass dieser sie wenigstens für diese eine Nacht bei ihm unterkommen konnte.

Während sie angespannt auf die Geräusche aus dem inneren des Hauses lauschte, kam ihr plötzlich der Gedanke, dass es vielleicht unhöflich sein könnte, einfach so nachts aufzukreuzen... andererseits, er war ihr Vater. Für einen Rückzieher war es jetzt zumindest zu spät. Lichter gingen an und sie erkannte die Silhouette ihres Vaters, nur um kurz darauf in sein mehr als überraschtes Gesicht zu sehen. Offensichtlich hatte sie ihn wirklich aus dem Bett geklingelt, denn er trug nur eine dünne Jogginghose und ein Shirt, doch wirklich darauf achten, tat sie nicht. Viel zu erleichtert, dass er da war, dass sie endlich einen Platz gefunden hatte - hoffte sie zumindest - gaben ihre Beine einfach nach und hätte Iain sie nicht unvermittelt aufgefangen, wäre sie auf dem Fußabtreter gelandet. Obwohl sie seine Arme um sich spürte, die Wärme die er ausstrahlte, zitterte sie vor Kälte und immer noch liefen ihr Tränen über die Wangen, während sie ihn langsam ebenfalls durchnässte. Schluchzend schlang sie ihre dünnen Arme um Iain und klammerte sich an ihn, als wäre er ihr rettende Anker. Er war ihre Rettung. Wenn sie heute Nacht nicht bei ihm bleiben konnte, wusste sie nicht wohin sie sonst noch sollte. "Es... tut mir... so leid", brachte sie mit zitternder Stimme leise hervor und ließ sich bereitwillig von ihrem Vater ins Wohnzimmer führen. Ihre sonst so selbstbewusste, fast schon trotzige Haltung war verschwunden und wie ein Kind, ließ sie sich von ihm in eine Decke wickeln und auf das Sofa ziehen. Sie wusste nicht, wie lange sie so da saßen, aber die ruhige Art ihres Vaters, dass er erst einmal gar nichts sagte oder fragte, sondern sie einfach nur festhielt, half ihr, sich langsam wieder zu beruhigen. Sie konnte nicht einmal genau sagen, warum sie so aufgelöst war. Ob es an der halben Odysee durch den strömenden Regen lag, an er erfolglosen Schlafplatzsuche oder vielmehr an dem Umstand, dass sie sich von ihrer Mutter verraten fühlte? Sie wusste es nicht. Feststand nur, dass sie hier bei ihrem Dad einen Platz gefunden hatte, an dem sie sich sicher fühlte und geliebt und dafür war sie ihm unendlich dankbar. Je weniger Tränen über ihre Wangen kullerten, um so deutlicher wurde ihr Zähneklappern. Sie fror und ihre komplett durchnässten Sachen hatten die Feuchtigkeit an die Decke abgegeben, welche mittlerweile ebenso klam war, wie die Kleidung, welche sie trug. Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen und die dringendste Frage, die sich ihr aufdrängte, war die Frage nach einem Schlafplatz. Vorsichtig bewegte sie sich wieder und richtete sich langsam auf, so dass sie Iain in die Augen schauen konnte. Auch wenn sie sich nicht unbedingt ähnlich sahen, so hatte sie dennoch die gleichen klaren, blauen Augen wie ihr Vater und diese Tatsache ließ sie unmerklich lächeln. „Es... es tut mir so leid, dass ich so unangekündigt, mitten in der Nacht bei dir rein platze“, entschuldigt sie sich flüsternd. Das Lächeln, so schnell es gekommen war, genauso schnell war es wieder verschwunden und zurück blieb nur die Unsicherheit und Traurigkeit in ihren Augen. „Kann ich... kann ich vielleicht die restliche Nacht bei dir bleiben?“, fragte sie leise und spielte dabei mit dem Saum der Decke, den Blick nach unten gerichtet, ehe sie sich wieder traute den Kopf zu heben und ihren Vater bangend an sah, immer wieder von einem Kälteschauer erfasst. „Nur die eine Nacht... morgen oder spätestens am Montag, kann ich mir dann was eigenes suchen“, fügte sie schnell hinten an, während sich schon das nächste Problem in ihrem Kopf festsetzte, von was sie ein eigenes Zimmer bezahlen sollte.

@Iain Coltraine


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